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Allgemein

114 Jahre Rassekaninchenzucht in Perleberg

Von der Bierlaune zur Vereinstradition: Die bewegte Geschichte des RKZV D 187 Perleberg e.V. von der Gründung 1911 bis heute.

Von Juliane Scheer

Gesichert ist, dass bereits seit 114 Jahren in Perleberg Rassekaninchenzucht betrieben wird. Leider gibt es aus der spannenden Gründungsphase keine Zeitzeugen mehr. Die Ursprünge sind uns nur aus überlieferten Mitteilungen älterer Züchter und einigen wenigen Dokumenten aus dem Stadtarchiv bekannt.

Die Gründung – eine Bierlaune mit Folgen

Nachdem 1880 der erste deutsche Kaninchenverein in Chemnitz gegründet wurde, war es am 11. November 1911 in Perleberg endlich so weit. Aus einer Bierlaune heraus kamen Georg Dammann und 11 weitere Liebhaber der Kaninchenzucht auf die Idee, einen Rabatt- und Sparverein zu gründen. Kurzerhand wurde über den Verein für 150 Mark ein belgischer Riesenrammler organisiert und unter den damaligen Mitgliedern ausgetauscht.

Die erste Ausstellung – Nähmaschine als Hauptpreis

Bereits ein Jahr später, im November 1912, organisierte der noch junge Verein seine erste Ausstellung in der so genannten Bäng-Halle in der Lindenstraße in Perleberg. Gemeldet wurden damals insgesamt 750 Tiere – Kaninchen, Tauben, Enten und anderes Geflügel.

Die möglichen Preise für die Gewinner sind noch heute bekannt: Der Sieger erhielt eine Nähmaschine – zu jener Zeit ein kaum bezahlbarer Luxusgegenstand. Der zweite Platz wurde mit einem Herrenfahrrad belohnt, der dritte mit einem Chaiselongue. Auch die Tombola ist gut überliefert: Für nur 50 Pfennig konnte man mit etwas Glück einen Stamm Hühner, ein neues Essservice oder gar ein Drei-Zentner-Schwein gewinnen.

Höhen und Tiefen: Kriege, Krisen, Neuanfänge

Bis zur scheinbar letzten Ausstellung am 29. November 1926 in der Stadthalle in Perleberg wurden jedes Jahr Ausstellungen rund um Perleberg organisiert. Die Mitgliederzahl stieg und fiel in den darauf folgenden Jahren von über 100 auf zuletzt 15. Unter dem Nationalsozialismus herrschten laut Zeitzeugen schwierige Bedingungen für Haltung und Fütterung, und so verschwand der Perleberger Verein für viele Jahre von der Bildfläche.

Erst 1942 lassen sich wieder Dokumente im Stadtarchiv über den Perleberger Verein finden. Nach dem Ende des 2. Weltkriegs, 1945, schrumpfte der Verein auf 8 Mitglieder und wurde durch neue Gebietsreformen in SC 60 umbenannt – SC für den Kreis Schwerin, 60 für den 60. gemeldeten Verein des Kreises.

Der Neustart – 100 Mitglieder und jährliche Ausstellungen

Mit dem Ende des Krieges wandten sich die Menschen wieder ihren alten Interessen zu. Der Zugang zu Futtermitteln wurde erleichtert, und abgelieferte Felle und Schlachtkörper wurden zu einem lukrativen Nebenverdienst – mit dem gerne Kinder und Jugendliche beauftragt wurden. Zeitzeugen berichten von Preisen von 12,20 Mark für das Kilogramm Kaninchenfleisch.

Die Vereinsabende und das gesellige Beisammensein förderten das Zusammenleben und führten zu einer hohen gesellschaftlichen Anerkennung für das Hobby. Bis 1980 zählte der Perleberger Verein wieder rund 100 Mitglieder und ab 1952 fanden jährliche Ausstellungen mit vielen Besuchern statt. Der damalige Vorsitzende Ernst Maaß erkämpfte in mühseliger Überzeugungsarbeit die Rückbenennung des Vereins in D 187.

Wende und Gegenwart

Mit der Wende 1990 fielen viele Zuverdienstmöglichkeiten weg, und die gesellschaftlichen Strukturen veränderten sich stark. 1994 übernahm Friedrich Schulz das schwere Erbe, den Verein vor dem Zerfallen zu bewahren. 22 Jahre lenkte er die Geschicke des Vereins, organisierte Feste, Ausstellungen und Ausflüge.

2017 übernahm Juliane Scheer für 8 Jahre das Amt des Vereinsvorsitzenden und trieb die Erneuerung des Vereins maßgeblich voran. Im März 2025 sortierte sich der gesamte Vorstand neu: Sebastian Scheer leitet seitdem den Verein und schöpft die neuen Potentiale durch den Zugewinn frischer Mitglieder in geeignete Bahnen.

114 Jahre Vereinsgeschichte – geprägt von Leidenschaft, Durchhaltewillen und dem unerschütterlichen Glauben an die Rassekaninchenzucht in der Prignitz.